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Mailänder Erklärung 2015: ein Aktionsaufruf in Sachen Adipositas



Eine Stellungnahme der Mitglieder der European Association for the Study of Obesity für die EXPO 2015

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Präambel

Obwohl Adipositas erst in den 1950er-Jahren in die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (gegenwärtig ICD-10 Code E66) aufgenommen wurde, hatte sie zum Ende des Jahrhunderts bereits epidemische Ausmaße angenommen und ist weltweit eine der Hauptursachen für Tod und Behinderung geworden. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge hat sich die Adipositas-Häufigkeit in manchen Ländern der Europäischen Region der WHO seit den 1980er-Jahren verdreifacht. 2008 waren 1,8 Milliarden Erwachsene, von 20 Jahren aufwärts, übergewichtig, wobei geschätzt 500 Millionen Erwachsene weltweit adipös waren (über 200 Millionen Männer und beinahe 300 Millionen Frauen); annähernd 65 % der Weltbevölkerung leben in Ländern, in denen Übergewicht und Adipositas für den Tod von mehr Menschen verantwortlich sind als Untergewicht. Die Zahlen Betroffener explodieren weiter unvermindert, und 2010 waren mehr als 40 Millionen Kinder unter fünf Jahren übergewichtig. Es ist wichtig festzustellen, dass schwere Adipositas (d. h. ein Body-Mass-Index [BMI > 35 kg/m2]) einen rapide wachsenden Anteil an der Adipositas-Epidemie darstellt, indem die verheerenden Auswirkungen besonders evident und drastisch sind. Weiters betrifft Adipositas nicht nur überproportional die benachteiligten Schichten der Bevölkerung, sondern diese Gruppen erfahren auch den bedeutendsten Zuwachs an Adipositas-Häufigkeit. Als Vorbote einer großen Anzahl behinderungsauslösender und fataler Krankheitsbilder stellt Adipositas eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts im Zusammenhang mit öffentlicher Gesundheit dar; sie droht etliche der Gesundheitsgewinne rückgängig zu machen, die über den Lebensgesamtverkauf hinweg bisher erzielt worden sind. Die WHO hat Adipositas zum größten globalen chronischen Gesundheitsproblem bei Erwachsenen erklärt, das dabei ist, sich zu schwerwiegenderen weltweiten Problem zu entwickeln als Unterernährung. Gesunde Ernährung sollte Berücksichtigung finden und Priorität erhalten als ein primärer Ansatz im Zusammenhang mit Prävention und Behandlung von Übergewicht und Adipositas.
Adipositas ist eine fortschreitende Krankheit, die Einzelne und die Gesellschaft gleichermaßen in Mitleidenschaft zieht, und es ist weithin anerkannt, dass Adipositas Wegbereiterin für etliche andere Krankheitsfelder ist, einschließlich der meisten NCD (nichtübertragbare Krankheiten). Adipositas spielt in der Ausbildung einer Reihe von Risikofaktoren und chronischen Krankheiten wie Bluthochdruck, Dyslipidämie und Diabetes mellitus Typ 2 eine zentrale Rolle, die ihrerseits kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität herbeiführen. Wenn Adipositas vorgebeugt und in geeigneter Weise behandelt wird, können wir einen Hauptfaktor für schlechte Gesundheit unterbinden. Adipositas sollte daher als eines der primären Ziele laufender Anstrengungen zur Bekämpfung der Epidemie nichtübertragbarer Krankheiten angesehen werden. Adipositas ist eine ernstzunehmende chronische Krankheit, die sich ohne wohlüberlegte und empiriebasierte Interventionen noch weiter verschlimmern wird und in dem Maße, in dem sich die Adipositas-Epidemie verschlimmert, wird dies auch die Häufigkeit nichtübertragbarer Krankheiten tun.
Als angemessene Reaktion auf diese Situation müsste Adipositas oberste Priorität erhalten, mit gesteigertem Engagement für konzertierte, koordinierte und spezifische Aktionen. Eine umfangreiche, nachhaltige und proaktive Strategie zum Umgang mit den sich durch die Adipositas-Epidemie stellenden Herausforderungen ist dringend erforderlich. Es ist zwingend notwendig, die Entwicklung und Umsetzung von Programmen zur Prävention, Früherkennung und Behandlung anzuregen. Es ist ganz klar unumgänglich, dass Adipositas, als Krankheit und als Wegbereiter für nichtübertragbare Krankheiten zum Ziel unmittelbarer Aktion und zur Priorität für Forschung, Innovation und Aktion gemacht wird. 1999 veröffentlichte die EASO eine Mailänder Deklaration, in welcher wir zur Bewusstmachung, Unterstützung und landesweiten Aktion auf diesem Gebiet aufriefen. In den seither vergangenen Jahren sind große Fortschritte erzielt worden; aber es muss mehr getan werden, und wir müssen jetzt handeln.

Stellungnahme:

Es ist offensichtlich, dass nun Gewichtsmanagement eine Hauptrolle in der Reduzierung von Morbidität und Mortalität der Bevölkerung in Europa und weltweit spielen muss. Die EASO ist entschlossen, den Regierungen Leadership, Hilfestellung und Unterstützung zukommen zu lassen als Teil ihrer Mission, Aktionen zu ermögichen und mitzutragen, die die Last ungesunden Übergewichts in Europa durch Prävention und Behandlung reduzieren, aber eine weitergehende Anstrengung ist notwendig. Die EASO fordert daher Regierungen, Gesundheitsbehörden und alle relevanten Beteiligten dazu auf,

  • anzuerkennen, dass Menschen und Gemeinschaften, die adipös sind, Respekt und Unterstützung benötigen.
  • anzuerkennen, dass Übergewicht und Adipositas Hauptursachen von Krankheiten sind, die den europäischen Staaten gewaltige soziale und ökonomische Belastungen auferlegen.
  • anzuerkennen, dass Adipositas, davon abgesehen, dass sie in manchen Fällen eine behinderungsauslösende und tödliche Krankheit per se ist, eine Hauptursache bei der Entstehung nichtübertragbarer Krankheiten darstellt.
  • anzuerkennen, dass es, indem die Prävention von und der Umgang mit Adipositas zur Priorität erklärt wird, Gesundheitsbehörden möglich ist, kosteneffektiv die Belastungen durch nichtübertragbare Krankheiten zu senken, insbesondere dann, wenn mit der Behandlung in einer frühen Lebensphase begonnen wird.
  • sich einen Ansatz zu eigen zu machen und befürworten, der alle Beteiligten einschließt (multi-stakeholder approach), um so praktische Lösungen zur Bekämpfung von Adipositas herauszuarbeiten und umzusetzen.
  • Adipositas in den Mittelpunkt einer landesweiten Gesundheitskampagne zu rücken, indem nationale Strategien für Aktionen zur Bekämpfung von Adipositas entwickelt, unterstützt und umgesetzt werden. Diese Strategien müssen medizinische Ausbildung (Studium und Gesundheitsberufe) und öffentliche Informationskampagnen in den Vordergrund stellen.
  • die Identifizierung kritischer unbefriedigter Bedürfnisse in der Adipositasforschung, im Krankenhausbereich, in Aus- und Weiterbildung und auf anderen Gebieten, die noch einer adäquaten Herangehensweise bedürfen, zur Priorität zu machen.
  • nationale und europäische Forschung zu unterstützen, die zur Inspiration und Entwicklung neuer und effektiver Präventions- und Behandlungsstrategien führt und so realen gesellschaftlichen Nutzen bringt.

Unterzeichner:

  • Nationale Vereinigungen der EASO:
    • Österreich Österreichische Diabetes Gesellschaft Präsident Prof. Bernhard Ludvik
    • Belgien Belgian Association for the study of Obesity Präsident Prof. Dr. Jean-Paul Thissen
    • Bulgarien Bulgarian Association for Study of Obesity and Related Diseases Präsident Prof. Svetoslav Handjiev
    • Kroatien Croatian Obesity Association Präsident Prof. Davor Stimac
    • Tschechische Republik Czech Society for the Study of Obesity Präsident Prof. Martin Haluzik
    • Dänemark Dansk Selskab for Adipositasforskning Präsident Prof. Jens Bruun
    • Finnland Finnish Association for the Study of Obesity Präsident Dr. Kirsi Virtanen
    • Frankreich Association Francaise d’Etudes et de Recherches sur l’Obesite
      Präsident Prof. Olivier Ziegler
    • Georgien Georgian Association for the Study of Obesity Präsident Dr. Ketevan Asatiani
    • Deutschland Deutsche Adipositas Gesellschaft Präsident Prof. Dr. Martin Wabitsch
    • Griechenland Hellenic Medical Association for Obesity Präsident Prof. Anthony Alaveras
    • Ungarn Hungarian Society for the Study of Obesity Präsident Dr. Eszter Halmy
    • Island Icelandic Association for the Study of Obesity Präsident Dr. Erla Gerdur Sveinsdóttir
    • Irland Association for the Study of Obesity on the Island of Ireland (ASOI) Präsident Dr. Grace O’Malley
    • Israel Israeli Society for the Study and Prevention of Obesity Präsident Prof. Yishai Levy
    • Italien Societa Italiana dell’Obesita Präsident Prof. Paolo Sbraccia
    • Mazedonien Macedonian Association for Obesity Präsident Prof. Dr. Slavika Subeska
    • Montenegro Montenegro Society for Obesity Präsident Dr. Igor Bjeladinovic
    • Niederlande Netherlands Association for the Study of Obesity Präsident Dr. Gijs Goossens
    • Norwegen Norwegian Association for the Study of Obesity Präsident Prof. Gunnar Mellgren
    • Polen Polish Association for the Study of Obesity Präsident Associate Prof. Magdalena Olszanecka-Glinianowicz
    • Portugal Sociedade Portuguesa para o Estudo da Obesidade Präsident Prof. Davide Carvalho
    • Rumänien Romanian Association for the Study of Obesity Präsident Associate Prof. Gabriela Roman
    • Russland Russian National Association of Dieticians and Nutritionists, Working Group for the Study of Obesity Präsident Prof. Gennadii Ivanovich Storozhakov
    • Serbien Serbian Association for the Study of Obesity Präsident Prof. Dr. Dragan Micic
    • Slovakei Slovak Obesitology Section of Slovak diabetology Society Präsident Dr. Lubomira Fabryova
    • Slowenien Professional Section of the Slovenian Association for Obesity Präsident Prof. Tina Sentocnik
    • Spanien Sociedad Espanola para el Estudio de la Obesidad Präsident Prof. Felipe Casanueva
    • Schweden Swedish Association for the Study of Obesity Präsident Prof. Car-Erik Flodmark
    • Schweiz Swiss Assosciation for the Study of Metabolism and Obesity Präsident Prof. Kurt Laederach
    • Turkei Turkish Association for the Study of Obesity Präsident Prof. Nazif Bagriacik
    • UK Association for the Study of Obesity Präsident Prof. Pinki Sahota
  • World Obesity Federation Präsident Prof. Walmir Coutinho (Brazil)
  • The International Federation for the Surgery of Obesity and Metabolic Disorders
  • European Chapter Präsident Prof. Alberic Fiennes (UK)
  • EASO Executive Committee
  • EASO Network of Collaborating Centres for Obesity Management (COMs)

Eine Stellungnahme des EASO-Patientinnen- und Patientenbeirates für die EXPO 2015 in Mailand

Gewichtsmanagement aus sozialer Perspektive:

Die Stigmatisierung adipöser Menschen nimmt täglich zu. Die Forschung hat gezeigt, dass Stigma zu Scham führt, die ihrerseits zu Stress zu führt und somit zu einer Vielzahl an Risikofaktoren und chronischen Erkrankungen – genau jenen Erkrankungen, die oft mit Adipositas einhergehen.
Wenn nur der physische Körper der Aufmerksamkeit bedürfte, könnte man vielleicht Erfolg haben bei dem Versuch, wenigstens temporär durch Diäthalten einen Gewichtsverlust zu erzielen. Diäthalten geht mit Aushungern des Körpers einher, indem es sowohl die Menge als auch die Beschaffenheit des Essens einschränkt, was einen Widerspruch darstellt, da Essen den besten Einzelbeitrag zur Gesundheit leisten kann!
Aber Adipositas betrifft nicht nur den Körper! Vielmehr bittet eine Person um Hilfe. Es könnte sein, dass die Person nicht um Gewichtsverlust bittet, auf alle Fälle aber muss der Patientin oder dem Patienten immer Anerkennung entgegengebracht und sie oder er mit Respekt behandelt werden. Die medizinische Profession hat das Wissen um Krankheit und Behandlung, während die Patientin oder der Patient die Erfahrung mit dem Leben mit der Krankheit hat. Ein zielführender Ansatz zur Behandlung von Adipositas würde die Etablierung einer Zusammenarbeit einschließen, die auf dem gegenseitigen Vertrauen von behandelnder Person und Patientin oder Patient beruht.
Der weitverbreitete Glaube „Nimm einfach ab und sei glücklich“ hat mit der Realität nichts zu tun. Für viele von uns, die schon seit langer Zeit ihre Erfahrungen mit Adipositas gemacht haben, oft von Kindesalter an, ist es nicht nur das Gewicht, das sich verändert; Adipositas hat auch Auswirkungen auf die persönliche Identität der Betroffenen. Nichts passt – Kleider, Schuhe, selbst das gesellschaftliche Leben kann betroffen sein. Man hat sich verändert und kann manchmal sogar von den Menschen in der Umgebung als Bedrohung wahrgenommen werden, ja selbst als Bedrohung der eigenen Familie. Ohne Unterstützung bei der Veränderung besteht ein Risiko zum „Scheitern“.
Es ist wichtig sich einzugestehen, dass diese eine spezielle Person, die Eigentümerin oder der Eigentümer dieses Körpers, die oder der Einzige ist, der eine Beziehung zu ihrem oder seinem Körper aufbauen und aufrechterhalten kann. Für jene Menschen, die eine Identität als eine adipöse Person entwickelt haben, ist es wichtig, diesen Zustand als chronisch anzusehen. Adipositas geht nicht weg; sie wird immer da sein, welche Größe oder welches Gewicht auch immer man hat oder bekommt.

Die Herausforderung an die Gesellschaft:

Die Anforderungen an die gesundheitliche Versorgung ändert sich im Verlaufe des Lebenszyklus. Interventionen wie kontrollierte Diät oder bariatrische Chirurgie, einschließlich ästhetischer Chirurgie, sollten zur Verfügung stehen, ebenso wie gesundheitliche Betreuung von Komorbiditäten oder Komplikationen, die sich ergeben können. Soziale Dienstleistungen sollten ohne Einschränkung im Hinblick auf Adipositas-Hilfe und -Behandlung und darüber hinaus zur Verfügung stehen. Die Menschen brauchen Unterstützung von Menschen in Gesundheitsberufen, um Stärke aufzubauen; dies wird zu Beginn intensiv benötigt und wird auch langfristig nötig sein, vielleicht für den Rest seines oder ihres Lebens.
Wenn Adipositas als chronische Krankheit mit allen Konsequenzen betrachtet wird, sieht man, dass auch ein Erfordernis besteht, ein langfristiges Unterstützungssystem um die Betroffenen herum aufzubauen und aufrechtzuerhalten, das Netzwerke relevanter Profis beinhaltet, die Hilfe und Unterstützung gewähren können, Netzwerke von Verwandten und Freunden und Netzwerke von Personen mit einer ähnlichen Erfahrung. Patientinnen und Patienten sollten in den Prozess der adipositasbezogenen Forschung, in Behandlungs- und Entwicklungsprozesse miteinbezogen werden, quer durch die Gesellschaft. Dies beinhaltet die Entwicklung partnerschaftlicher Arrangements, die den Bedürfnissen der Einzelnen und der Gemeinschaften genau angepasst sind.
Es ist sehr schwierig, persönliche Stärke zu entwickeln, wenn man ständig mit Wortmeldungen bombardiert wird, wie wertlos man sei, wie furchtbar man aussehe u.s.w. Keinen Zugang zu wichtigen Teilen der Gesellschaft haben und es erdulden zu müssen, dass andere, die Verbündete sein sollten, einem die Gesundheit rauben, indem sie diese Wortmeldungen an einen richten, ist ein Fehler; und es ist schwierig, damit umzugehen. Der Eliminierung des Gewichtsstigmas, das sich durch die Gesellschaft zieht, durch Vorurteile zum Thema Gewichtsverlust innerhalb der Gesundheitsversorgung und quer durch die gesamte Gesellschaft, sollte oberste Priorität eingeräumt werden.
Die Betonung des Gewichtsverlusts verstärkt das Stigma der Adipositas und adipöser Menschen, die abweichende Bewältigungsstrategien wählen – was Gewichtsakzeptanz beinhaltet. Wenn wir den Schatten des Stigmas beiseiteschieben, können Menschen Spaß haben am Spazierengehen, Tanzen, gut Essen – indem sie nährstoffreiche und gesunde Nahrung genießen, Schlaf und das Freisein von all dem täglichen Stress sozial verordneter Schande. All diese Faktoren sind fundamental wichtig für Gesundheit und Wohlbefinden und sollten den Fokus eines jeden Unterstützungssystems bilden
Adipositas ist ein multifaktorielles Problem in einer sich rapide wandelnden Gesellschaft. Als Einzelner ist man Veränderungen in Nahrungsmittelproduktion und -verarbeitung und Veränderungen in physischer Arbeit und in der Fortbewegung ausgesetzt. Viele dieser Veränderungen stehen mit Adipositas in Zusammenhang. Wir müssen uns Gedanken machen, ob Adipositas selbst eine Krankheit ist oder vielmehr ein Symptom einer kranken Gesellschaft. Wir sollten daher auch auf Veränderungen in der breiten Gesellschaft achten und reagieren, nicht nur auf einzelne Betroffene.

Aktionspunkte:

Wir wollen Respekt. Patientinnen und Patienten klagen darüber, sie würden oft nicht respektvoll behandelt. Dies rührt von mangelndem Wissen um die Krankheit her, selbst unter den Adipösen selbst, um ihren chronischen Charakter und um die Tatsache, dass es für manche Menschen keine Heilung für den sichtbaren Aspekt der Krankheit gibt.
Wir wollen Akzeptanz. Wir wollen, dass akzeptiert wird, dass adipöse Menschen wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaften sind und auf allen Ebenen vor Beleidigungen zu schützen sind. Dies könnte dazu beitragen, den Respekt zu erzeugen, der Patientinnen und Patienten immer noch fehlt. Wir brauchen eine Respektkampagne unter Politikerinnen und Politikern, Menschen in Gesundheitsberufen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, den Medien und der adipösen Bevölkerung selbst.
Wir wollen Erkenntnis. Wir brauchen die Erkenntnis, dass Adipositas unheilbar ist in dem Sinne, dass man einen Menschen nicht dazu bringen kann, nicht mehr adipös zu sein. Man sollte sich mit der Tatsache vertraut machen, dass 90 % der erfolgreich behandelten Adipösen sichtlich adipös bleiben. Man sollte sich vergegenwärtigen, dass selbst bei extremem Gewichtsverlust, wenn die Krankheit äußerlich nicht mehr sichtbar ist, die Identität für den Rest des Lebens der Betroffenen dieselbe bleiben wird. Wir müssen Adipositas als chronisches und endloses und unaufhörlich soziales Problem betrachten.
Wir wollen einen Schlussstrich unter die Stigmatisierung. Das Resultat eines Mangels an Respekt verstärkt die Stigmatisierung, die ihrerseits durch Absonderung und Mobbing zu Diskriminierung auf persönlicher, nationaler und internationaler Ebene durch Medien, sozial Gleichgestellte, Forschung, Menschen in Gesundheitsberufen und jene führt, denen Schulen, Städte und Länder unterstehen. Wir brauchen einen Aktionsplan für die Bekämpfung von Stigmatisierung quer durch die ganze Gesellschaft.
Wir wollen eine unvoreingenommene Diskussion. Einflussreiche Beteiligte – Industrie, Medien, die Wirtschaft, Versicherungsgesellschaften, Regierungen – alle vermeiden die Diskussion, indem sie das Problem verstärkt intransparent machen. Finanzielle Kosten werden zum größeren Problem als das Wohlbefinden der Patientinnen und Patienten. (Ironischerweise verursacht eine Patientin oder ein Patient, die oder der sich wohl fühlt, geringere Behandlungskosten.)
Wir wollen geteilte Verantwortung. Die Entwicklung erfolgreicher Heilverfahren, Behandlungen oder Gesundheitsprogramme steht noch aus, und die Gesellschaft insgesamt muss die Verantwortung für dieses Versagen tragen. Doch heute ist es die adipöse Person, die die gesamte Schande auf ihren Schultern trägt. Wir sollten für Verbesserungen zusammenarbeiten, und wir brauchen die Erkenntnis, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Menschen im klinischen Bereich, Managerinnen und Manager und Gesetzgeberinnen und Gesetzgeber ebenso wie Patientinnen und Patienten alle Teil des Prozesses sein müssen. Erfolg erfordert eine gemeinsame Anstrengung. Gegenwärtig versagen wir gemeinsam, aber gemeinsam könnten wir die Lage ändern.

Unterzeichnet von:

  • Österreich Simone Posch
  • Belgien Elly Jeurissen
  • Bulgarien Svetlozara Ilieva
  • Tschechische Republik Alexandra Friasová
  • Frankreich Anne Sophie Joly
  • Georgien Tamar Zerekidze
  • Deutschland Swaantje Memmert
  • Deutschland Björn Brusgatis
  • Ungarn Judit Pettko
  • Island Sólveig Sigurðardóttir
  • Irland Vicki Mooney
  • Italien Angela Ferracci
  • Italien Deborah Loddo
  • Niederlande Mieke van Spanje
  • Polen Magdalena Gajda
  • Portugal Carlos Oliveira
  • Rumänien Silvia Bucur
  • Schweden Orley Andreasson
  • Schweden Christina Fleetwood
  • Schweden Jenny Vinglid
  • Schweiz Dominique Durrer
  • Großbritannien Ken Clare

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