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Nein zur Stigmatisierung von adipösen Menschen


Adipositas ist eine Krankheit und braucht gesamtgesellschaftlichen Lösungsansatz

Meldungen aus Großbritannien sorgen auch in Österreich für heftige Diskussionen: Das britische Gesundheitsministerium möchte, dass ÄrztInnen Menschen mit Adipositas zukünftig als "fett" bezeichnen, um sie zum Abnehmen zu motivieren. Diese Stigmatisierung und Diskriminierung ist klar abzulehnen.

Schon jetzt ist die Diskriminierung und Stigmatisierung adipöser Menschen massiv: Studien zeigen, dass sie zu den am stärksten diskriminierten Gruppen in unserer Gesellschaft gehören. Sie werden bei der Jobsuche von PersonalistInnen überdurchschnittlich häufiger abgelehnt, haben weniger Freunde, bekommen schwerer einen Partner/eine Partnerin. Kinder mit großem Übergewicht werden bereits im Kindergarten gehänselt, ihre Lebensqualität liegt - Studien zufolge - hinter jener von Kindern, die an Krebs erkrankt sind.

Diskriminierung verschlimmert das Problem

Adipositas ist laut WHO eine chronische Erkrankung mit einer komplexen Ätiologie und erfordert einen umfassenden Behandlungsansatz. Das Vorhaben, chronisch kranken Menschen durch eine weitere Diskriminierung als "Fette" "helfen" zu wollen, ist ethisch extrem fragwürdig. Es gemahnt an Zeiten, in denen man Alkoholkranke als SäuferInnen, psychiatrische PatientInnen als IdiotInnen und behinderte Menschen als Krüppel bezeichnete.

Der in Großbritannien vorgeschlagene "Behandlungsansatz durch soziale Ächtung" widerspricht jeder wissenschaftlichen Erkenntnis. Es gibt keinerlei wissenschaftliche Evidenz dafür, dass Stigmatisierung und Diskriminierung bei adipösen Personen zu einer dauerhaften Gewichtsabnahme führen. Im Gegenteil, der psychische Druck auf die Betroffenen wird erhöht und die Betroffenen versuchen immer angestrengter mit Hilfe von unadäquaten und gesundheitsschädlichen Maßnahmen, wie Diäten und ungesundem Essverhalten, Einfluss auf ihr Gewicht zu nehmen. Und das führt nicht nur zu weiterem Übergewicht durch den unvermeidbaren Jojo-Effekt, sondern bahnt nicht selten auch den Weg zu manifesten Essstörungen.

Die pauschale Stigmatisierung von übergewichtigen Menschen weist zusätzlich eine nicht unbedeutende "Nebenwirkung" auf: Schlankheit wurde in den letzen Jahrzehnten derart überidealisiert, dass selbst normalgewichtige Menschen sich zu dick empfinden und gestörtes Essverhalten, Essstörungen ebenfalls ansteigen. Magersucht und Adipositas sind zwei Seiten der selben Medaille und markieren jeweils die Endpunkte eines Kontinuums normierter Körperbilder.

Prävention auf allen Ebenen ist notwendig

Es braucht etwas anderes als sogenannte "Erziehungsmaßnahmen", um der immer größer werdenden Anzahl von stark übergewichtigen Menschen zu helfen. Es braucht Präventionsmaßnahmen auf allen Ebenen der Gesellschaft beginnend im Kleinkindalter, die Achtung der Vielfältigkeit menschlicher Körperformen und die Akzeptanz des neuen
Paradigmas "Health at any Weight".

Der/die Einzelne trägt Verantwortung für seine/ihre Gesundheit, diese wird aber durch soziale, finanzielle, biologische Umweltfaktoren eingeschränkt. Tatsächlich fördert die derzeitige bewegungsarme Überflussgesellschaft Adipositas. Eigenverantwortung kann dann eingefordert werden, wenn Menschen in einem gesundheitsfördernden
Umfeld leben und gesunde Entscheidungen getroffen werden können.

Eine Stellungnahme des Wiener Programms für Frauengesundheit

  • ao. Univ. Profin Drin Beate Wimmer-Puchinger
    Frauengesundheitsbeauftragte und Leiterin des Wiener Programm für
    Frauengesundheit
  • Maga Michaela Langer
    Stv. Leiterin des Wiener Programms für Frauengesundheit

Im Konsens mit (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Ärztekammer für Wien
  • ao. Univ. Profin Drin Elisabeth Ardelt-Gattinger
    Fachbereich Psychologie der Universität Salzburg, Vizepräsidentin der
    Obesity Academy Austriy (OAA)
  • Dr. Erich Gattinger
    Geschäftsführer der Obesity Academy Austria (OAA)
  • intakt - Therapiezentrum für Menschen mit Essstörungen
  • Elisabeth Jäger
    Präsidentin der Österreichischen Adipositas-Selbsthilfegruppen
  • Maga Ulla Konrad
    Präsidentin des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen
  • PD Primar Dr. Karl Miller
    Krankenhaus Hallein, Präsident der International Federation for the
    Surgery of Obesity and Metabolic Disorders (IFSO), Präsident OAA
  • Drin Eva Mückstein
    Präsidentin des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie
  • Österreichische Ärztekammer
  • Univ. Prof. Dr. Arnold Pollak
    Vorstand der Universitätsklinik für Kinder und Jugendheilkunde des
    AKH Wien
  • Univ. Prof. Dr. Günther Rathner
    Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Essstörungen
  • Univ. Profin Drin Anita Rieder
    Präsidentin der Österreichischen Adipositas Gesellschaft
  • Assoc. Prof. Drin Susanne Ring-Dimitriou
    Interfakultärer Fachbereich für Sport- und Bewegungswissenschaften
    Salzburg, Vorsitzende Wissenschaftlicher Beirat OAA
  • Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des AKH Wien
  • Drin Karin Waldherr
    Obmannstellvertreterin des Netzwerk Essstörungen
  • Dr. Daniel Weghuber
    Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Salzburg, Vorstand
    OAA
  • Primar Dr. Peter Weiss
    Vorstand der Abteilung für Innere Medizin und Psychosomatik im
    Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern
ÖAG - Österreichische Adipositas Gesellschaft
www.bodymed.com
www.universimed.com
www.novonordisk.at
www.myline.at
Wir danken unseren
fördernden Mitgliedern
und Partnern

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Tel: 0043/650/770 33 78  |  Fax: 0043/1/264 52 29  |  E-Mail: office@adipositas-austria.org