Leitlinien: 2. Diagnostik der Adipositas

18.11.2004

2.1 Definition von Übergewicht und Adipositas

Übergewicht und Adipositas liegt eine über das Normalmaß hinausgehende Vermehrung von Körperfett zugrunde. Zur Gewichtsklassifikation wird der Körpermasse-Index (Body Mass Index = BMI) herangezogen, der dem Quotienten aus Körpergewicht zu Körpergröße in Metern zum Quadrat entspricht. Die Körpergewichtsklassifikation anhand des BMI ist in Tabelle 1 dargestellt.

 
Tabelle 1: Gewichtsklassifikation bei Erwachsenen entsprechend dem BMI (WHO, 2000)

 
BMI (kg/m2)
Risiko für Begleiterkrankungen
Untergewicht
< 18,5
niedrig
Normalgewicht
18,5–24,9
durchschnittlich
Übergewicht
>/= 25
Präadipositas
25,0-29,9
gering erhöht
Adipositas Grad I
30,0–34,9
erhöht
Adipositas Grad II
35,0–39,
hoch
Adipositas Grad III
>/= 40,0

sehr hoch

Definition der Fettverteilung
Dem Fettverteilungsmuster kommt, neben dem Ausmaß des Übergewichts, eine wichtige Bedeutung im Hinblick auf die Folgeerkrankungen von Übergewicht und Adipositas zu.
Die Bestimmung des Taillenumfangs gilt als klinisch einfach durchzuführende Untersuchung zur Abschätzung der intraabdominellen-viszeralen Fettmasse (Tabelle 2). Bei Personen mit einem BMI >25 kg/m2 sollte routinemäßig der Taillenumfang gemessen werden. Bei einem Taillenumfang > 88 cm bei Frauen und > 102 cm bei Männern liegt eine abdominelle Adipositas vor (WHO, 2000, EASO, 2002).

 
Tabelle 2: Taillenumfang und Risiko für metabolische Komplikationen (Lean et al 1995)

Taillenumfang (cm) Männer Taillenumfang (cm) Frauen
Risiko für metabolische Komplikationen
> 94
> 80
erhöht
>102
> 88
deutlich erhöht

 
2.2. Diagnostik von Begleiterkrankungen (WHO, 2000)

  • Störungen des Kohlehydratstoffwechsels (abnormer Nüchternblutzucker, gestörte Glukosetoleranz, Diabetes mellitus Typ 2)
  • Hypertonie
  • weitere metabolische Veränderungen, wie Dyslipidämie, Hyperurikämie, Hyperkoagulabilität in Folge der Insulinresistenz (metabolisches Syndrom, Tabelle 3)
  • kardiovaskuläre Erkrankungen
  • hormonelle Störungen (polyzystisches Ovarsyndrom)
  • Tumorerkrankungen (Mammakarzinom, Endometriumkarzinom, Ovarialkarzinom, Prostatakarzinom, Kolonkarzinom, Nierenkarzinom)
  • Pulmonale Komplikationen (Schlafapnoe-Syndrom)
  • Gastrointestinale Erkrankungen (Cholelithiasis, nichtalkoholische Fettleber, Refluxerkrankung)
  • Degenerative Gelenkserkrankungen
  • Psychosoziale Komplikationen
  • Erhöhtes Operations- und Narkoserisiko

 
Tabelle 3: Diagnostik des metabolischen Syndroms
NCEP-Kriterien (Circulation, 2001)

Abdominelle Adipositas

Taillenumfang Männer
Taillenumfang Frauen

 

>102 cm
> 88 cm

Triglyzerid-Plasmaspiegel
>150 mg/dL

Reduziertes HDL-Cholesterin

Männer
Frauen

 

<40 mg/dL
<50 mg/dL

Blutdruck
>130/85 mmHg
Nüchternblutzucker >110 mg/dL

Definition eines metabolischen Syndroms bei 3 oder mehreren positiven Kriterien

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